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Forschungszentrum



Willkommen beim FZLA!

Das Forschungszentrum Laboratorium Aufklärung ist ein interdisziplinärer Forschungsverbund und einer der Forschungsschwerpunkte der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Das Forschungszentrum wurde von 2008 bis 2013 im Landesprogramm "ProExzellenz" des Freistaats Thüringen gefördert.

Inhaltliches Ziel des Forschungszentrums ist es, die Grundlagen der Moderne im langen 18. Jahrhundert (etwa 1690 bis 1830) zu erforschen und mit gegenwärtigen Entwicklungen in Staat, Gesellschaft, Religion, Wissenschaft und Künsten in Beziehung zu setzen. Dabei besteht das zentrale Forschungsanliegen darin, die als hybrid, transformativ und offen eingeschätzten Gesellschaftsformationen des langen 18. wie des beginnenden 21. Jahrhunderts auf der strukturellen und der diskursiven Ebene zu vergleichen, um dadurch sowohl neue Erkenntnisse zum 18. Jahrhundert als auch ein spezifisches Verständnis der Gegenwart zu gewinnen.

Wir trauern um Prof. Dr. Dr. Olaf Breidbach, der am 22. Juli verstarb

Ein Meister der unerwarteten Verbindungen

Zum Tod des Wissenschaftshistorikers, Biologen und Philosophen Olaf Breidbach (1957-2014)


Wer je Olaf Breidbachs Büro in der Jenaer Berggasse betreten hat, wird es wohl kaum wieder vergessen. Als eine von viel zu wenigen Universitäten in Deutschland leistet sich die Friedrich-Schiller-Universität ein eigenes Institut für Wissenschaftsgeschichte. Untergebracht ist es an geschichtsträchtigem Ort - im einstigen Wohnhaus von Ernst Haeckel. Das Arbeitszimmer des berühmten Zoologen hat sich originalgetreu erhalten und kann noch immer besichtigt werden. Wer hingegen beim Institutsdirektor unserer Tage vorsprechen wollte, musste eine Tür weiter. So offen die Türen hier standen, ein Gespräch mit Breidbach setzte ein wenig Vorbereitung voraus. Denn einen Stuhl musste man sich allermeist erst frei räumen. Immer waren Stapel von losen Papieren, Büchern und Zeitschriften im Weg, dazwischen wissenschaftliche Instrumente älteren wie jüngeren Datums. Was wie Unordnung aussehen mochte, war indes Programm. Die Dinge sollten in Bewegung gehalten werden. Nur so ließen sich neue gedankliche Vernetzungen herstellen.
Verbunden wurden dabei mühelos entlegen scheinende Wissensfelder. Von Käfern war dann die Rede, über die der 1957 geborene Breidbach eine biologische Doktorarbeit verfasst hatte und über deren neuronale Strukturen er auch später noch forschte, oder aber von der Philosophie Hegels - der Gegenstand seiner zweiten Dissertation. Am Jenaer Ernst-Haeckel-Haus, das Breidbach zwei Jahrzehnte leitete, verband er diese beiden Perspektiven natur- wie geisteswissenschaftlichen Fragens zu einem übergreifenden Forschungsprogramm. "Neue Wissensordnungen" heißt eines seiner jüngeren Bücher, und an ihnen arbeitete Breidbach selbst unermüdlich. Sein Interesse galt der Durchdringung von Grundbegriffen solcher Ordnungen: Anschauung, Gestalt, Historizität, Logik, Evolution, Kultur.
Olaf Breidbach war ein Meister des unkonventionellen, ja des undisziplinierten Denkens. Gespräche mit ihm ähnelten Explorationen eines noch offenen, erst noch zu vermessenden Terrains. Wie sehr er hierbei auf die Kraft visueller Wahrnehmung vertraute, um sie in intellektuelle Anschauung zu wenden, machte bereits die Eigenart seines Formulierens deutlich. Sein Sprechen war durchzogen von Metaphern der Sichtbarkeit. Gewiss kein Zufall ist es daher, dass eines seiner Bücher den "Bildern des Wissens" gewidmet war. Der erst jüngst, gemeinsam mit Federico Vercellone, als Buch vorgelegte Großessay "Anschauung denken" wollte dem gegenwärtigen Nachdenken über das Bildliche eine neue Dimension geben.
An der Jenaer Universität lehrte Olaf Breidbach seit 1995. In diese Zeit fällt die Arbeit des von der DFG geförderten Sonderforschungsbereichs "Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800", dessen Gegenstand Breidbachs eigene Forschungen aufs Engste berührte. Kein Wunder ist es also, dass er zwischen 2007 und 2010 als dessen Sprecher die Arbeit des SFB maßgebend förderte. Zeitlich wie inhaltlich hieran anschließend führte Breidbach dieses Engagement im Forschungszentrum Laboratorium Aufklärung unmittelbar fort. Nicht zuletzt seiner kritischen Stimme ist es zu verdanken, dass das FZLA den leitenden Begriff der Aufklärung nie anders als umfassend in den Blick nehmen wollte: systematisch wie historisch - und über die Grenzen einzelner Disziplinen und Fachgruppen hinweg. Die von Olaf Breidbach herausgegebene, sich innerhalb weniger Jahre auf beinahe 30 Bände summierende Schriftenreihe des Forschungszentrums gibt hiervon einen lebendigen Eindruck.
Nichts hat unsere disziplinierte Wissenschaftslandschaft so nötig wie gerade dies: undiszipliniertes Denken. Ihm entspringt jener Funken der Inspiration, der Überraschendes und Neues ermöglicht. Am 22. Juli dieses Jahres ist Olaf Breidbach nach schwerer Krankheit verstorben. Sein seit Jahren verfolgtes Projekt eines Kompendiums zur Geschichte der Naturwissenschaften wird unvollendet bleiben und auch seine mit Leidenschaft betriebene "experimentellen Wissenschaftsgeschichte" keine Fortsetzung finden. Die Impulse seines überraschenden Denkens werden fehlen.

Steffen Siegel


(Eine kürzere Fassung erschien am 30. Juli 2014 in der Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.)
 



 


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Urkunde
Klassik Kolleg 2014 im Festsaal des Goethe-Nationalmuseums Weimar
Meisterkurs 2014 mit Thomas W. Gaehtgens im Festsaal des Goethe-Nationalmuseums Weimar
Inauguration des Schiller-Professors 2012 Charles Taylor


  • Der letzte Meisterkurs stand unter dem Thema "Orient - China - Amerika. Bilder der außereuropäischen Welt im Zeitalter der Aufklärung". Er wurde geleitet von dem renommierten Kunsthistoriker und Leiter des Getty Research Institute Los Angeles Thomas W. Gaehtgens.
  • Vom 7. bis 12. September fand das letzte Klassik Kolleg statt: Teilnehmer Jena, Rom und Bergamo beschäftigten sich eine Woche lang mit "Italienreisen". Informationen zum Klassik Kolleg finden sie hier.



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